Impulskontrolle- Gelassenheit ist trainierbar

Impulskontrolle beschreibt die bewusste Kontrolle über die eigenen Emotionen und das eigene
Handeln. Sie ist das Gegenteil von Impulsivität. Spontanes Verhalten, welches aus einem bestimmten Impuls entsteht, kann also abgebrochen oder erst gar nicht begonnen werden. 

Impulskontrolle
Impulskontrolle - © Rike Matthey

Impulskontrolle kann nur situationsspezifisch erlernt und nicht generalisiert werden. 

Dies bedeutet, ein Hund, der einem Impuls wie jeden Menschen begrüßen zu müssen, widerstehen kann, bleibt nicht automatisch stehen, wenn ein Reh in seinem Blickwinkel auftaucht. Da aber Impulskontrolle das nachfolgende Verhalten und die Emotionen beeinflusst, ist durchaus eine Verknüpfung auf andere Situationen möglich. 

Ein Hund, mit dem man in verschiedenen Situationen Impulskontrolle trainiert, wird zunehmend das eigentlich erwünschte Verhalten zeigen und somit auch schneller und öfter zum Erfolg kommen. Seinen Impuls zu kontrollieren bedeutet für den Hund oft auch ein biologisch sinnvoller Reflex. Denn der Wolf muss auch seine Impulsivität beim Jagen bremsen und abwägen, welche Beute tatsächlich erlegbar und lohnend für ihn ist. Allerdings gilt zu beachten, dass ein bestimmter Impuls einem Bedürfnis unterliegt. Jagt der Hund also gerne Rehe, ist ihm das ein Bedürfnis, welches befriedigt werden will. Da wir natürlich unseren Hund nicht jagen lassen, sollten wir ihm aus diesem Funktionskreis zumindest andere Bedürfnisse wie Schnüffeln, Lauern oder Hetzen erlauben. Für dieses Beispiel wäre z.B. Training und Beschäftigung mit einer Reizangel ein guter Ausgleich.

Auswirkungen einer schlechten Impulskontrolle:
- Die Konzentrationsfähigkeit/Gedächtnis leidet
- Die Ausdauer der Konzentration sinkt und der Hund kann aggressiver auf Provokationen reagieren
- Stress mindert die Impulskontrolle und ist somit ein potentieller Frustfaktor

Auswirkungen einer guten Impulskontrolle:
- Impulskontrolle gibt sowohl mir als auch dem Hund eine große Sicherheit im Alltag 
- Die Bindung zwischen Hund und Mensch wird gestärkt und mein Hund bleibt in vielen Dingen steuerbarer
- Ich kann unerwünschtes Verhalten beenden und optimalerweise sogar verhindern
- Eine gute Impulskontrolle optimiert eine bessere Leinenführigkeit 
- Ich kann diese auch beim Antijagdtraining und bei Unsicherheiten des Hundes einsetzen

Impulskontrolle wird beeinflusst durch:
- das Alter
- die Rasse
- Stress
- dem Körperbau
- der Erfahrung
- der Tagesform

Der Hund hat an sich nur ein gewisses Maß an Impulskontrolle, die er aushalten kann. Hier beschreibt das Sprichwort "Das Fass zum Überlaufen bringen" ganz gut die Tatsache, dass Hunde nur ein gewisses Maß pro Tag an Impulskontrolle haben. Deswegen sind Pausen, die Dosierung und somit auch das sich Bewusstmachen von Impulskontrolle so wahnsinnig wichtig. Es macht hier absolut Sinn kleinschrittig anzufangen. Denn wenn wir nicht genug und ausreichend lange Pausen machen und zu schnell zu viel erwarten, steigt das Erregungslevel weiter an, was dann zu Frustration führen kann. 

Es ist auch kontraproduktiv, wenn der Hund nur sein Verhalten, aber nicht seine Emotionen kontrolliert. Deshalb ist es wichtig, mit oder vor der Übung auch sein Erregungslevel runterzufahren.

Praktische Beispiele im Alltag:
- eine Fuß-Übung beim Vorbeigehen an einem potentiellen Reiz wie z.B. ein hochwertiges Gutti
- eine Schau-Übung während der Keks in der Hand ist oder auf den Boden geworfen wird
- eine Bleib-Übung während das Spielzeug geworfen wird
- ein Heranrufen weg vom Reiz/Spielzeug/Gutti oder an dem Reiz vorbei
- ein Stopp oder Umkehren in Richtung des Reizes
- ein Aushalten und Abwarten von im Alltag potenziell zu jagenden Objekten wie z.B. Jogger, Radfahrer und Autos
- ein Abwarten beim Aussteigen bzw. Einsteigen des Autos 
- bei der Begegnung/Begrüßung Hund-Mensch
- das Abwarten bis zur Freigabe zum täglichen Fressen

Nice to know:
Frustrationstoleranz ist die Fähigkeit unangenehme und frustrierende Momente auszuhalten. Dies ist nicht zu verwechseln mit Impulskontrolle und daher ein großer Unterschied. 

Es gibt Zuchtlinien und Rassen, bei denen eine erhöhte bzw. geringere Impulskontrolle gewünscht ist. Größere Rassen z.B. tun sich oft eher leichter in der Impulskontrolle. Sie müssen ziemlich viel Energie aufwenden und wägen eher ab.  

Fazit:
Macht man sich bewusst, was Impulskontrolle bedeutet und wann bzw. wie oft sie im Alltag eigentlich präsent ist, staunt man eventuell über die Bandbreite. Hier sollte individuell hinterfragt und entschieden werden, in welcher Situation tatsächlich Impulskontrolle angebracht und umsetzbar ist. Der Hund soll nicht in einer ständigen Kontrolle stehen, aber ein gewisses Maß entscheidet oft über ein harmonisches Miteinander, stärkt zudem die Bindung und das gegenseitig Vertrauen.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Hinterfragen und Üben.
Wir begleiten euch gerne und freuen uns auf euer Interesse!

Rike Matthey von der Hundeschule Wake Up