Jagdverhalten managen - Anzeigeverhalten trainieren

Das ruhige Anzeigen von Wild – mit Kooperation zum Ziel

Jagdverhalten managen
Jagdverhalten managen  - © Jennifer Lang - Hunde Impressionen

Dein Hund springt bei Wildsichtung schreiend in die Leine? Er reißt dich fast um, weil eine Katze euren Weg kreuzt und blamiert dich vor anderen Spaziergängern? Ohne Leine ist er sofort weg, wenn nur ein Vögelchen über die Wiese flattert und ein Rückruf wird dann fast unmöglich?
Schnell entsteht ein nicht enden wollender Kampf aus Verbote, Befehle und weiteren aversiven Hilfsmitteln. Der Hund erlebt dadurch täglich Frustration und Stress, was eine erhöhte Reaktivität und weitere unerwünschte Verhaltensweisen zur Folge hat.

Jagdverhalten ist aber nicht per se ein Problem und es darf nicht das Ziel sein, es komplett zu unterbinden!

Die gute Nachricht ist, es geht auch anders. Wir können dem Hund die Möglichkeit geben, einen Teil des Jagdverhaltens mit dem Mensch gemeinsam auszuleben ohne anderen Lebewesen zu schaden.

Nimm das Jagdverhalten deines Hundes als einen Teil von ihm an und mache etwas unglaublich Schönes daraus!

Der Hund kann lernen, bei der Wahrnehmung entsprechender Reize entspannt zu bleiben, sofern neben dem gezielten, kleinschrittigen Training die Voraussetzungen stimmen: Gesundheit, Ernährung, Minimierung der täglichen Stressoren, die tägliche Dauer und Art der Beschäftigung, sowie Ruhezeiten müssen zunächst – evtl. mit Hilfe eines Trainers oder Verhaltenstherapeuten – optimiert werden. Gleichzeitig muss auch der Mensch genügend Zeit und Geduld für ein positives Training mitbringen – aber es zahlt sich aus!

Ulli Reichmann beschreibt sehr treffend: „Aufrichtiges Interesse ist eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Zutat überhaupt! Es ist für mich immer sehr irritierend zu sehen, wie wenig sich die Menschen für die Dinge interessieren, die ihre Hunde ihnen auf Spaziergängen so bereitwillig zeigen möchten.“

Das Anzeigeverhalten bzw. Vorstehen bei der Wahrnehmung von Wild gehört zu den wichtigsten Komponenten im Management von Jagdverhalten. Das Fixieren (also ein kurzes Innehalten) ist ein fester Bestandteil der Verhaltenskette der Jagd und kommt direkt nach dem Orientieren nach Wild. Danach würde der Hund mehr oder weniger schnell zum Anschleichen, Umkreisen und Hetzen übergehen. Bei jedem Hund ist dieses Verhalten also bereits vorhanden und muss nur gefördert und in die gewünschten Bahnen gelenkt werden. Die Anzeige, also das Fixieren von Wild ist bereits ein Bestandteil der aktiven Jagd, ohne dass dabei Wildtiere gestört werden oder Schaden nehmen.

Bestimmte Vorstehhunde, wie zum Beispiel Jagdhunderassen wie der Setter oder Münsterländer wurden züchterisch speziell daraufhin selektiert, Wild anzuzeigen, in dem sie sich darauf ausrichten, fixieren und eventuell das Vorderbein anheben. Der Jäger weiß so genau, wo sich das Wildtier befindet und kann sich zum Schießen bereithalten. Diese genetische Selektion bedeutet jedoch nicht, dass ein Vorstehhund dieses Verhalten automatisch zeigt. Jedoch kann es leichter gefördert und gefestigt werden.
Der große Vorteil für den Hundehalter ist, dass Hunde die ruhige Anzeige durch Training immer länger zeigen können, und dadurch besser ansprechbar und kontrollierbar bleiben. Das Wildtier wird bei konsequentem Training zum Signal für das Stehenbleiben, auch wenn der Menschen mal unaufmerksam war. Außerdem kann ein (vor-)stehender Hund natürlich nicht gleichzeitig hetzen. Der Hund bekommt die Möglichkeit sein jagdliches Bedürfnis mit der Bezugsperson gemeinsam auszuleben und hat Spaß, denn Hunde jagen am liebsten in der Gemeinschaft.
Für ein gelungenes Training unabdingbar ist ein Markersignal, wie der Clicker oder ein sehr gut aufgebautes Markerwort. Besonders der Clicker dringt auch bei großer emotionaler Stimmung noch eher zum Hundehirn durch. Ist die Erregungslage generell einfach zu groß, müssen nochmal die Voraussetzungen im Hunde-Alltag überprüft und ggf. verbessert werden.

Und so geht’s:
Ab jetzt solltest du jedes Verharren, Zögern, Stehen und Schauen unbedingt wahrnehmen und verstärken. Damit wird eine feste neue Routine erschaffen. Die Voraussetzung dafür sind natürlich bewusste, ruhige Spaziergänge mit tendenziell niedriger Erregungslage. Dafür solltest du mit deinem Hund überwiegend allein unterwegs sein und auch das Handy im Flugzeugmodus lassen.
In dem Moment, in dem der Hund ein anderes Tier wahrnimmt und kurz zögert – also stehenbleibt – markerst du und bleibst auch selbst sofort stehen. Umgehend danach lobst du deinen Hund bewusst ruhig und leise. Er darf jetzt stehen und schauen und soll nicht zu dir kommen. Solange die Leine locker bleibt, markerst und lobst du weiter und entfernst dich langsam ein Stück in deine Zielrichtung. Die Leine geht dabei nicht auf Zug, der Hund bekommt aber auch nicht mehr Bewegungsspielraum. Dies lässt sich besonders gut mit einer Schleppleine umsetzen, die man langsam abwickelt.

  • Dreht der Hund sich nach dem Markersignal um, lässt du ihn hochwertige Leckerchen nach hinten am Boden suchen und freust dich ganz besonders über diese Leistung. Da die Anzeige von Wild selbstbelohnend ist, muss das Abwenden wirklich extrem hochwertig und passend belohnt werden. Es folgt immer eine bedürfnisgerechte Alternative, wie beispielsweise ein Hetzspiel oder eine Suchaufgabe.
  • Wenn der Hund sich nicht abwenden kann, wurde entweder das Markersignal nicht gut genug trainiert, ist die Entfernung zum Reiz zu gering oder die verwendeten Futterbelohnungen sind zu minderwertig. Möglicherweise gab es an diesem Tag auch schon zu viele Stressoren oder die Impulskontrolle ist bereits aufgebraucht.
    Bleibt der Hund dennoch stehen und Leine ist weiterhin nicht auf Spannung, wird trotzdem weiterhin gemarkert und gelobt.
  • Nach einer erfolgreichen Übungseinheit sollte die Distanz zum Auslöser wieder vergrößert werden, denn mit jeder weiteren Wiederholung nimmt der Schwierigkeitsgrad zu und das Kontingent der Impulskontrolle wird immer geringer. Der Fokus sollte immer auf erfolgreiche Übungseinheiten liegen und nicht auf Quantität.

Funktioniert dieser erste Schritt bereits gut, kannst du die Anforderungen langsam steigern. Bedenke bitte, immer nur eine Komponente im Training zu verändern. Nur ein sehr kleinschrittiges Training bringt auch langfristig Erfolg!

An folgenden Kriterien kannst du arbeiten:

  • Die Entfernung zum Reiz verringern
  • Die Dauer des Zögerns langsam (sekundenweise) verlängern und entsprechend später markern
  • Die Attraktivität des Reizes steigern
  • Der Reiz bewegt sich (schneller)
  • Geräusche werden hinzugefügt
  • Hat man vorher z. B. an Spielzeug geübt, kann man nun an Hühnerausläufen, Wildgehegen, Futterstellen für Eichhörnchen etc. üben
  • Wenn der Hund gelernt hat, dass Stehen und Schauen erfolgreich ist, kann man zusätzlich ein Alternativverhalten wie Steh, Sitz, oder Platz aufbauen.

Wenn ihr mehr über dieses Training von Jagdverhalten wissen wollt, meldet euch bei Jennys Hundeschule Hunde-Impressionen

Autorin: Jennifer Lang von Hunde-Impressionen Eschenlohe